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Ende der swinging Sixties stand die Musik am Scheideweg. Die Beatles meditierten in Indien, Joseph Beuys verpackte einen Flügel in Filz und John Cage setze sich vor ein Klavier und schwieg es exakt 4 Minuten und 33 Sekunden an.

Jimmy Hendrix hatte eine andere Vision. "Mann, diese Welt muß einen ja mürbe machen. Aber wenn wir laut genug spielen, können wir sie vielleicht wegdröhnen", befand der "schwarze Indianer" aus Seattle, Washington. Mit dem Schlagzeuger Mitch Mitchel, ein glühender Verehrer des Coltrane-Drummers Elvin Jones, und Bassist Noel Redding formte Hendrix eine explosive Band, die die freie Spieltechniken des Jazz ebenso beherrschte wie erdigen Rhythm´and Blues. Man schrieb 1967, als sich das Trio unter dem Namen "Experience" erstmals über Phil Spectors "Wall of Sound"-Konzept hermachte und es mittels Wah-Wah-Pedal, Vibrato-Arm und Rückkoppelungsgewittern durch die Röhrenverstärker jagte. Das Ergebnis waren drei Singles - "Hey Joe", "Purple Haze" und "Wind cries Mary". Sie sollten die populäre Musik revolutionieren. Es folgten die LP´s "Are You Experienced", "Axis: Bold As Love" und schließlich das geniale Meisterstück "Electric Ladyland", von dem der Produzent Tom Wilson sagte: Es "vereint die aberwitzige Phantasie eines Hieronymus-Bosch-Gemäldes mit der Funk-Seele des R & Blues". 1970 war Hendrix tot.

Was blieb ist ein komplexes Wunderwerk aus Energie und Form, erdigen Grooves und elektifizierten "Sheets of Sounds", welches in seinen Grenzen und Möglichkeiten bis heute nicht annähernd ausgelotet ist. Aber das läßt sich ändern, sagte sich Josef Götzl. 1998 gründete der begnadete Gitarrist nach Ausflügen in diverse Jazz- und Rock-Gefilde "J.H Experience". Ein international besetztes Quartett, das die Hendrix Klassiker endlich auf der Höhe der Zeit interpretiert und ihnen verblüffende neue Seiten abgewinnt, ohne jemals das Entscheidende - den typischen Hendrix-Punch - vermisssen zu lassen. Da kommt Voodoo Child im dance-floor mäßigen Triolenrhythmus daher, eine gestopfte Trompete weht über "1983" oder Sänger Bobby B. soult sich mit Lenny Kravitz- Approch durch eine grandiose Version von "Wind cries Mary". (zu hören auf der neuen Maxi-CD...)

Als "J. H. Experience" im letzten Jahr durch Deutschland, Belgien und Tschechien tourte, überschlugen sich die Fans vor Begeisterung und die Kritiker waren sich einig: "Josef Götzl, git., Ingo Hausherr, dr, Markus Neumann, b, und Daniel Durst, voc, sind das Gegenteil einer Revival-Band. Ihr Repertoire stammt von Hendrix, ihr Sound-Konzept ist brettharter R & B modernster Prägung, ihr Spirit jedoch basiert auf John Coltranes-Jazz Exkursionen."

Dessen Musik, schieb Pete Welding einst im "Down Beat", sei "von ungeheurer Kraft belebt, oft eher häßlich und brutal als schön, aber stets intensiv und zutiefst ehrlich". Gleiches gilt auch für "J.H. Experience".